www.nachhaltigwissen.de

TED-Talk: Wie Marken helfen können, die Artenvielfalt zu erhalten

Jason Clay erläutert in seinem TED-Talk, warum es wichtig ist, große Konzerne in den Naturschutz mit einzubinden und mit ihnen nachhaltige Produktionsketten zu entwickeln. Clay ist studierter Anthropologe und Agrarwissenschaftler.

Seine Karriere begann in der Entwicklungshilfe, doch diese Arbeit erfüllte ihn nicht und er wechselte in den Naturschutz. 1988 traf er auf Ben Cohen, einem der Gründer der Eismarke Ben & Jerry’s. Ihre Zusammenarbeit begann mit Bens Frage:“ Was kann ich tun, um den Regenwald zu retten?“. Knapp ein Jahr später kam das Eis „Rainforest Crunch“ auf dem Markt – übrigens eins der ersten Fairtrade-Produkte. Das Eis verkaufte sich grandios und der Gewinn sprudelte trotz doppeltem bis dreifachem Einkaufspreis für Paranüsse. Durch die hohen Einkaufspreise sicherte sich Ben & Jerry’s eine gute Ausgangsposition bei den  Farmern. Zeitweise kontrollierte die Firma 20-30 Prozent des weltweiten Paranussmarktes und Einkäufer anderer Firmen wurden durch die Ressourcen-Verknappung gezwungen ebenfalls höhere Preise zu zahlen. In der Folge schlossen sich 50 Firmen in einem Fairtradeansatz zusammen. Die Unternehmen vertrieben 200 Produkte und erwirtschafteten mehr als 100 Millionen US$ Umsatz. Doch das Projekt scheiterte. Nicht die Paranusssammler waren die treibende Kraft der Naturzerstörung,  sondern die Viehwirtschaft, die Holzindustrie und der Sojaanbau. Diese Produkte und ihrer Wertschöpfungsketten hatten die Macher dramatisch unterschätzt.

Nach einer Anekdote aus seiner Zeit im Sudan und dem Zitat: “Du kannst niemanden wecken, der vorgibt zu schlafen“ erzählt er über unseren verschwenderischen Lebensstile und die nachlässige Ressourcennutzung. Die Welt, auf der wir leben, ist einzigartig und dadurch sind die uns zu Verfügung stehenden Ressourcen und Räume limitiert. Für ihn steht fest, dass die Weltbevölkerung 1990 die Eigenversorgungskapazität der Erde überschritten hat. Er meint, wir hätten schon 2010 ungefähr 1,3 Erden benötigt, um die Weltbevölkerung nachhaltig versorgen zu können. Aus seiner Sicht ist das Bevölkerungswachstum ist nicht das größte Problem, sondern der Verbrauch. Der durchschnittliche Amerikaner verbraucht 43mal mehr Ressourcen als ein  Afrikaner. Jason Clay treibt es sogar auf die Spitze und er spekuliert, dass eine durchschnittliche europäische Hauskatze einen größeren „Umweltfußabdruck“ hinterlässt als ein Afrikaner.

Diese Schieflage ist aus seiner Sicht eins der Hauptprobleme. Die uneingeschränkt gute und notwendige Aufwertung der Lebensumstände in Entwicklungsländern ist mit dem verschwenderischen Lebensstiel der Industriestaaten nicht zu vereinbaren. Für 2050 wird eine 9 Milliarden Menschen starke Weltbevölkerung vorhergesagt. Diese Menschen können bei einem steigendem durchschnittlichen pro Kopfverbrauch nicht versorgt werden. 2050 müssten wir demnach mindestens die dreifache Menge der Güter  produzieren oder unseren Verbrauch drastisch reduziert haben.

Für Jason Clay ist ein reduzierter Verbrauch und eine nachhaltige Ressourcennutzung der Königsweg. Dafür stellt er sogar die Wahlmöglichkeit der Verbraucher in Frage und fragt ob, es richtig sei, dass Kunden zwischen nachhaltig und verschwenderisch produzierten Produkten wählen dürfen. Das Problem: Der normale Käufer entscheidet sich innerhalb von Sekunden für ein Produkt und weiss nichts über die Herkunft. Er muss sich also auf die Produzenten verlassen können. Jason Clay ist der Meinung, dass eine nachhaltige Produktion noch vor dem offenen Wettbewerb auf den Märkten sichergestellt werden sollte. Dazu müssten alle Akteure und Konkurrenten nachhaltig und zirkulär wirtschaften oder zusammenarbeiten.

Kommentar verfassen