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Elefanten-Tourismus – weder ökologisch noch nachhaltig

Elefantenreiten

Sie galten lange als Sinnbild des harmonischen Miteinanders von Mensch und Tier in Asien: gezähmte Reitelefanten. Über Jahrhunderte leisteten sie Dienste als Arbeitselefanten, auf den Jagden der britischen Kolonialherren und in den letzten Jahrzehnten als beliebte Touristenattraktion. Die Frage dabei:Ist es nicht besser, diese Elefanten als Touristenattraktion zu nutzen und der Bevölkerung in Ländern wie Sri Lanka, Indien, Myanmar und Thailand somit eine Einnahmequelle zu ermöglichen, anstatt die verblieben Populationen illegalen Elfenbeinjägern zu überlassen?

Unsägliches Tierleid

Dass es sich beim Elefantentourismus weder um einen romantisch-umweltbewussten Tourismus noch um eine nachhaltige Einnahmequelle handelt, zeigen die jüngsten Veröffentlichungen wie eine dreijährige Studie der World Society for the Protection of Animals (WSPA), über das Leiden der Tiere und dem Raubbau an den verbliebenen wildlebenden Elefantenpopulationen Südostasiens. Grundsätzlich sind Elefanten nicht domestiziert. Sie werden schon als Babys oder Jungtiere über Wochen und Monate durch Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug sowie körperliche Misshandlungen wie Schläge und Malträtieren mit dem sog. Ankus, dem „Elefantenhaken“ gequält, um ihren Willen zu brechen und sie gefügig zu machen. Auch danach werden die meisten Elefanten nicht artgerecht gehalten: die Kettenhaltung verursacht weitere Verwundungen, und die Ernährung ist oft unzureichend und nicht an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere angepasst. In einem kürzlich veröffentlichten, besonders grausamen Fall, wurde der bereits 50 Jahre alte Elefantenbulle Raju im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh von den Behörden beschlagnahmt. Er war von seinem Besitzer oft nur mit Papier- und Plastikmüll gefüttert worden. Arthrose sowie schwere Wunden durch spitze Haken an seinen Ketten zeugten von der jahrzehntelangen Misshandlung.

Der Umgang mit den Tieren beschreibt ein völlig missverstandenes Verhältnis zwischen Tier und Mensch. Elefanten sind und bleiben Wildtiere, deren Verhalten durch die Tortur der Zähmung stark verändert wird. Trotz oder gerade deswegen sind auch Gefahren für die Besucher des Elefantentourismus durch die Tiere nicht ausgeschlossen, worauf mehrere Tierschutzorganisationen hinweisen. Auch in Afrika kam in den letzten Jahren Reitelefantentourismus auf. Grundsätzlich gelten afrikanische Elefanten als noch schwieriger zu zähmen als ihre asiatischen Verwandten. Und auch hier gibt es immer mehr Berichte von Missständen.

Raubbau an den natürlichen Populationen

Wie wissenschaftlich belegte Zahlen nun zeigen, basiert das Geschäft mit dem Elefantentourismus nicht auf Nachhaltigkeit. Die Jungtiere stammen in vielen Fällen keineswegs aus Nachzucht. In Sri Lanka beispielsweise wurde in den letzten 10 Jahren keine erfolgreiche Nachzucht registriert. Das Geschäft der illegalen Wilderei von Elefantenbabys blüht. In Myanmar werden laut Pro Wildlife jedes Jahr 50 bis 100 Elefantenkälber gefangen und nach Thailand geschmuggelt. Um an die Jungen zu gelangen, werden oft die Mütter oder gar ganze Familienverbände getötet, die ihre Jungen verteidigen. Auch in Sri Lanka wurden seit 2007 rund 70 Elefantenkälber aus freier Natur entführt. Zwei von drei Jungen überleben die grausame Tortur der Wilderei nicht. Der Schwarzmarktwert für ein Elefantenbaby wird in Thailand auf 24.500 Euro beziffert. Die korrupte Verstrickung einflussreicher Personen aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik wird an gefälschten Handels- und Besitzdokumenten und dem Verschwinden offizieller behördlicher Listen zu registrierten Elefanten deutlich, wie der Daily Mirror für Sri Lanka berichtet. Für die verbliebenen Bestände kann man erwarten, dass neben der Wilderei auf Elfenbein der organisierte Schwarzhandel ihnen und ihrer gesunden Populationsstruktur den Todesstoß versetzen wird.

Sanfter Tourismus?

Auch vor dem Besuch vieler der sog. Elefantenwaisenhäuser und Auffangstationen warnen Tierschutzorganisationen. Die Nachfrage an Elefanten als Reittiere, für Zeremonien und fragwürdige „Elefantenwaisenhäuser“, die Profit aus Freiwilligentourismus ziehen, wobei Geld zu zahlen ist, um sich um „verwaiste“ Elefanten kümmern zu dürfen, stieg in den letzten Jahren deutlich an. Problematisch ist z. B. laut Berichten auch die staatliche Auffangstation Pinnawela in Sri Lanka. Die Haltungsbedingungen für die über 80 Elefanten sind hier nicht artgerecht. Besucher zahlen hier Geld für den Kontakt mit den Tieren, und die Tiere werden auch an Privatleute abgegeben, so Pro Wildlife e.V. Im Gegensatz dazu seien seriöse Einrichtungen daran zu erkennen, dass sie die Tiere artgerecht in Gruppen halten, sie nicht anketten, keine Gewalt gebrauchen, keine Zucht betreiben und keinen direkten Kontakt zwischen Touristen und den Tieren zu Showeffekten anbieten. Denn sollen die Elefanten wieder ausgewildert werden, dürfen sie sich nicht an Menschen gewöhnen. Laut Pro Wildlife e. V. sind das Elephant Orphanage Project in Sambia und das Elephant Transit Home in Udawalawe, Sri Lanka, vorbildliche Projekte, wo die Tiere möglichst artgerecht in Gruppen gehalten werden, mit dem Ziel der Wiederauswilderung in Nationalparks.

Als Reaktion auf die katastrophalen Zustände im Elefantentourismus haben einige Reiseveranstalter wie Intrepid Travel Elefantenreiten bereits aus ihrem Reisekatalog gestrichen. Empfehlenswert sei nur ein sanfter Ökotourismus, der den Reisenden die Beobachtung der Tiere in freier Wildbahn in den verbliebenen Schutzgebieten und Nationalparks, ermöglicht und möglichst so zur Erhaltung dieser Gebiete beitragen sollte.

 

Quellen:

http://www.green-travel.de/news/artikel/lesen/2014/06/tierschuetzer-warnen-vor-elefantentourismus-59367/

http://www.dailymirror.lk/opinion/172-opinion/47778-from-innocent-freedom-to-a-captive-hell-editorial.html

http://www.prowildlife.de/Elefantentourismus

http://www.prowildlife.de/Elefantenwaisenhaus_Afrika

http://www.intrepidtravel.com/adventures/why-not-ride-elephants/

 

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