www.nachhaltigwissen.de

Atlantische Flohkrebse als Zeichen der Meereserwärmung.

Foto: Angelina Kraft, Alfred-Wegener-Institut

Foto: Angelina Kraft, Alfred-Wegener-Institut

Eigentlich bevorzugen atlantische Flohkrebse eher wärmeres Wasser als in den arktischen Gefilden vor Spitzbergen. Zu ihrer eigenen Überraschung entdeckten Biologen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) nun erstmals atlantische Flohkrebs in der arktischen See. Grund dafür könnte ein Wandel der arktischen Zooplankton-Gemeinschaft sein, wie Forscher in der Fachzeitschrift Marine Ecology Progress Series berichten. Auf den ersten Blick mag die Immigration der kleinen Krebse nicht sonderlich umberuhigend wirken, doch die Meeresbiologen warnen von Folgen für die großen Räuber innerhalb der arktischen Nahrungskette, also zum Beispiel Wale. Grund dafür: Die eingewanderten Flohkrebse sind mit einer Körperlänge von etwa einem Zentimeter kleiner als ihre arktischen Artgenossen und als Beute weniger nahrhaft. Für arktische Flohkrebsjäger wie Fische bedeutet dies, dass sie im Vergleich zu früher von den atlantischen Flohkrebsen etwa fünfmal mehr Tiere erbeuten müssen, um die gleiche Menge Energie aufzunehmen.

Die Forscher entdeckten die neuen Akteure in der Arktis in ihren Sinkstofffallen. “Ursprünglich hatten wir die trichterförmigen Fallen dort im Westspitzbergenstrom verankert, um in etwa 300 Metern Wassertiefe herabsinkendes Material wie Algen oder Kot von Zooplankton einzufangen. Von Anfang an aber haben wir auch viele Flohkrebse in den Fallen gefunden. Vor allem in den Sommermonaten sind die Probenbehälter randvoll. Wir vermuten deshalb, dass die Tiere aktiv in die Fallen schwimmen“, sagt AWI-Plankton-Spezialistin Dr. Eva-Maria Nöthig. Im Laufe der letzten Jahre habe sich die Artenzusammensetzung stark verändert, so die Forscher. Bereits 2004 wurden erste Exemplare der kleineren, im Atlantischen Ozean beheimateten Art Themisto compressa gefunden. “Sie waren anscheinend im Zuge einer Warmphase des Westspitzbergenstroms so weit in den Norden gekommen“, berichtet Nöthig.

Schon sieben Jahre später entdeckten die Meeresbiologen Jungtiere und eiertragende Weibchen in den Fallen und das obwohl die Warmphase des Westspitzbergenstroms längst vorbei war. Die Erklärung: Die Tiere werden in den arktischen Gewässern geschlechtsreif und bringen den Nachwuchs zur Welt. Am AWI wertet man diese Erkenntnis als ein Anzeichen für einenWandel des Ökosystems in der östlichen Framstraße, schließlich gelten die Tiere als äußerst temperaturempfindlich. Das Aufkommen der Flohkrebse bestätigt auch eine weitere Beobachtung. Laut Messung des AWIs ist die Wassertemperatur der Nordströmung in einer Tiefe von 250 Metern in den Jahren 1997 bis 2010 um etwa 0,8 Grad Celsius gestiegen.

Kommentar verfassen