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Gastbeitrag: Perspective Daily

Wie viele Menschen können weltweit leben und schreiben? 40 %, 60 % oder 80 %? Wie hat sich die Zahl der Toten durch Naturkatastrophen seit 1970 weltweit entwickelt? Halbiert, gleich geblieben oder verdoppelt? Die richtigen Antworten: „80 Prozent“ und „halbiert“. Die wenigsten Deutschen kennen die richtigen Antworten. Das zeigt die Umfrage der schwedischen Gapminder-Stiftung und dem Spiegel unter mehr als 1.000 Deutschen im Jahr 2014. Bei der Frage nach den Naturkatastrophen antworten nur 6 Prozent richtig.

Wie kommt es zu diesem übertriebenen Pessimismus, der die Leute die falschen Antworten auswählen lässt? Eine wichtige Rolle spielen dabei die Medien und der Fokus auf negativen Nachrichten und Einzelschicksalen. Das Credo der Branche: „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Und so dominieren Kriege, Katastrophen und Skandale die Berichterstattung, die uns täglich auf allen Kanälen erreicht. Die Folgen: Ein zu negatives Weltbild, Stress, Hilflosigkeit und Zynismus. Nicht wenige wenden sich deshalb vom News-Konsum ab. Das Schlimme daran: Studien haben festgestellt, dass Menschen sich im Zuge dessen häufig vollständig von gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen abwenden. Je negativer und problemorientierter eine Berichterstattung ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Menschen sich anschließend für eine Problemlösung einsetzen. Eine gefährliche Entwicklung in einer Gesellschaft, die vor großen Herausforderungen wie dem Klimawandel, weltweiter Vertreibung und Ressourcenknappheit steht.

Lösungsorientierter Journalismus erhöht die Handlungsbereitschaft

Eine Lösung ist ein Journalismus, der mehr zeigt, als nur Probleme: Der konstruktive Journalismus stellt Lösungsansätze vor und diskutiert sie. Aktuell wird dieser Ansatz international diskutiert. Studien zeigen: Texte, die auch Lösungen thematisieren, führen beim Leser zu mehr Verständnis, positiven Emotionen und einer erhöhten Handlungsbereitschaft. Wer über Lösungen liest, fühlt sich weniger hilflos und sieht, dass er selbst etwas verändern kann.

Die internationale Medienlandschaft kennt bereits mehrere Beispiele für aufstrebende, konstruktive Angebote: Besonders erfolgreich sind De Correspondent aus den Niederlanden und Positive News aus Großbritannien. In Deutschland bereitet aktuell das konstruktive Online-Medium Perspective Daily seine geplante Crowdfunding-Kampagne vor. Das Start-Up hat sich zum Ziel gesetzt, lösungsorientiert über die wichtigen Fragen unserer Zeit zu berichten. Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Wie stellen wir eine nachhaltige Energieversorgung sicher? Wie können wir weltweit lebenswerte Bedingungen für alle schaffen? Perspective Daily liefert hintergründige Beiträge statt Meldungen über Einzelereignisse – zukunftsrelevant statt skandalös, von bloßer Empörung zu konstruktivem Handeln.

Nicht nur die Zielsetzung ist anders, sondern auch die Zusammensetzung: Alle Autoren sind ausgebildete Wissenschaftler mit journalistischer Erfahrung. Das Team steht im ständigen Austausch mit weiteren Wissenschaftlern, Organisationen und Fachmenschen. So wird sichergestellt, dass alle Beiträge auf einer soliden gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Basis stehen. Die Inhalte werden interaktiv aufgearbeitet, das Lesevergnügen ist wichtig. „Wir wollen anders sein – auch in der Art, wie wir Beiträge schreiben und präsentieren“, so Gründerin und Neurowissenschaftlerin Dr. Maren Urner.

News sind wie Puzzleteile

Das Team von Perspective Daily betont, dass viele einzelne Newsmeldungen nicht zu einem realistischen Weltbild führen. „News sind wie verschiedene Puzzle-Teile aus verschiedenen Puzzles“, so Gründer Dr. Bernhard Eickenberg. „Sie geben kein komplettes Bild, sondern zeigen nur einen kleinen Ausschnitt.“ Ähnlich drückt es auch der Philosoph und Bestsellerautor Alain de Botton aus, der die Art, wie wir News konsumieren, mit einer Büchersammlung vergleicht, aus der uns einzelne Bücher gereicht werden: Nachdem wir einen Satz gelesen haben, nimmt man uns das Buch weg und reicht uns ein anderes. Aus diesen vereinzelten Informationsbruchstücken ein Verständnis für die Welt zu entwickeln ist schwierig – nicht zuletzt, da uns die Medien bevorzugt Extremereignisse präsentieren. „Was wir brauchen, das ist ein Journalismus, der uns mehr von dem Puzzle vorlegt, der uns das ganze Buch lesen lässt“, so Dr. Eickenberg. „Wenn schon nicht das ganze, dann doch wenigstens größere Ausschnitte, die wir verstehen können.“

Crowdfunding für Perspective Daily

Um das ehrgeizige Projekt umzusetzen, vertrauen die Perspective Daily-Gründer auf die Community. „Wir denken, dass die Menschen ein großes Interesse an einem neuen, anderen Journalismus haben“, ist Dr. Maren Urner überzeugt. Auf dieses Interesse setzt das Team mit seiner für Januar 2016 geplanten Crowdfunding-Kampagne, in der es die ersten 10.000 Mitglieder sammeln möchte, die mit einem Jahresbeitrag von 42 € die Gründung von Perspective Daily ermöglichen sollen. „Wir wollen hochwertige Artikel bieten, die nur unabhängig von Werbung möglich sind“, begründet Han Langeslag die Entscheidung des Teams für die Crowdfunding-Kampagne. So soll sich Perspective Daily langfristig allein durch die Mitglieder tragen. Die Vorbereitung der Kampagne wird durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Europäischen Sozialfonds gesichert.

Der Gastbeitrag stammt von den Gründern von www.perspective-daily.de.

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